Dem Seefeld-Mörder droht die Höchststrafe

Tobias K.* tötete in Zürich ein Zufallsopfer, um seinen Komplizen freizupressen. Nun kommt es Ende Monat in Zürich zum Prozess.

Am Nachmittag des 30. Juni 2016 wurde ein 41-jähriger IT-Fachmann auf offener Strasse im Zürcher Seefeld erstochen – er war ein Zufallsopfer, das sich zur falschen Zeit am falschen Ort befand. Der mutmassliche Täter war der heute 27-jährige Schweizer Tobias K., der sich nach einem Hafturlaub auf der Flucht befand.

Er sass wegen versuchten Raubes, räuberischer Erpressung und Freiheitsberaubung eine Strafe von fünf Jahren ab. Mit dem Tötungsdelikt wollte er einen Mithäftling freipressen. Es handelte sich um einen heute 39-jährigen Litauer.

Tobias K.
Bild: Kantonspolizei Zürich

Fatale Freundschaft

Nun ist die Anklageschrift den Medien zugestellt worden. Sie zeigt auf, wie es zu der unvorstellbaren Tat kommen konnte. Tobias K. war in der Strafanstalt Pöschwies mit dem Litauer in Kontakt gekommen und hatte sich mit ihm angefreundet, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Dieser hatte im Sommer 2012 versucht, 50 Millionen Franken von der Grossindustriellenfamilie Schmidheiny zu erpressen. Er drohte, die Familie zu töten, wenn sie nicht zahlen würde. Und nicht nur das: Er hatte auch gedroht, Bombenanschläge zu verüben, und forderte von der Stadt 100 Millionen Franken. Dafür war der nicht geständige Litauer zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden.

Auch Tobias K. hatte einen Bezug zu den Schmidheinys – wenn auch nur indirekt. Seine Mutter hatte berichtet, sie habe als Spitex-Mitarbeiterin Asbestopfer gepflegt und in den Tod begleitet, die im Eternitwerk der Schmidheinys gearbeitet hatten. Im Gefängnis konnte der Litauer Tobias K. überzeugen, dass er zu Unrecht verurteilt worden sei.

Die beiden fassten in der Folge einen teuflischen Plan, wie Tobias K. während eines Hafturlaubs den Litauer freipressen soll. In einem Erpresserbrief an den Zürcher Kantonsrat soll Tobias K. die Freilassung des Litauers verlangen, ansonsten würde ein Mensch umgebracht. Für den Fall, dass der Litauer nach dem ersten Mord nicht aus dem Gefängnis entlassen würde, drohten sie mit weiteren Morden.

Am 23. Juni 2016 trat Tobias K. seinen Hafturlaub an und verbrachte den Tag bei seiner Familie. Am Abend kehrte er aber nicht ins Gefängnis zurück. Er zog zu einem Bekannten in Winterthur, wo er die nächsten Tage blieb.

Dort schrieb er auf dem Tablet des Bekannten den Erpresserbrief an den Kantonsrat. Um dem Brief noch die entsprechende Wichtigkeit zu geben, fotografierte der Bekannte Tobias K., wie dieser gefesselt und mit Blut überspritzt – das sich Tobias K. mit einer Spritze intravenös entnommen hatte – am Boden lag.

Dank DNA-Spuren schnell identifiziert

Nach Ablauf des Ultimatums schritt Tobias K. zur Tat. Laut Anklageschrift kaufte er am 29. Juni im Coop ein Fleischmesser mit einer 18 Zentimeter langen Klinge und hielt in der Stadt Zürich an verschiedenen Orten nach Opfern Ausschau, doch wurde er an diesem Tag nicht fündig.

Beim Arosasteig schritt Tobias K. zur Tat. Hier stach er auf sein Opfer ein.
Bild: Stefan Hohler

Am folgenden Tag fuhr er am Morgen wieder nach Zürich und marschierte Stunden durch die Stadt. Um 13.40 Uhr sah er auf einer Mauer beim Eingang der Unterführung am Arosasteig im Seefeld das 41-jährige Opfer. Tobias K. trat auf den Mann zu und stach mit dem Messer auf ihn ein – fünfmal in Kopf, Hals, Schulter und Brustkorb. Das Opfer verblutete noch vor Ort. Der Täter floh.

Die Polizei konnte ihn anhand von DNA-Spuren schnell identifizieren. Sieben Monate später wurde er im Kanton Bern verhaftet. Er war ins Visier der Berner Kantonspolizei geraten, weil er versucht hatte, im Darknet eine Pistole zu kaufen. Damit hätte Tobias K. weitere Tötungsdelikte verüben wollen, um den Litauer freizupressen.

Staatsanwalt Adrian Kaegi fordert für Tobias K. und den Litauer eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und die Anordnung einer ordentlichen Verwahrung. Der Prozess findet am 29. und 30. Januar in Zürich statt

Ein Mahnmal für das Opfer. Blumen am Tatort im Seefeld.
Bild: Stefan Hohler

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