Keller-Messahli klagt gegen EIR-Bericht: «Den Vorwurf der Islamophobie lasse ich mir nicht gefallen»

Islamkennerin Saida Keller-Messahli kritisiert die schleichende Islamisierung in der Schweiz. Deshalb ist sie in einem von der EU finanzierten und von einer Erdogan-nahen Stiftung herausgegebenem Bericht als islamophob bezeichnet worden. Im „Crime Schweiz“-Interview kündigt sie jetzt eine Klage gegen die Autoren an. 

Frau Keller-Messahli, dieser Bericht greift Sie direkt an. Es ist nicht die erste Kritik an ihrer Arbeit. Warum haben Sie sich jetzt für eine Klage entschieden? 

«Dieser im Auftrag einer AKP-nahen Stiftung entstandene Bericht ist ein politisches Instrument gegen die Presse- und Meinungsfreiheit. Er dient primär dazu, kritische Stimmen zum politischen Islam zu denunzieren und einzuschüchtern, indem er sie in den gleichen Topf mit Rassisten wirft. Ausser mir sind über hundert andere Personen in diesem Bericht zuhanden Ankaras aufgelistet. Darunter sogar die renommierte italienische Zeitung ‘Corriere della Sera’. Die Autoren des Berichts versuchen uns nicht nur zu diskreditieren und zu diffamieren, sondern bringen uns ganz real in Gefahr. Viele Kritiker des politischen Islams in Deutschland und anderswo leben bereits unter Polizeischutz, weil man ihnen ‚Islamophobie‘ unterstellt. Ich kann es mir einfach nicht leisten hier zu schweigen.»

Im Rahmen ihrer Kritik werfen Sie den Schweizer Behörden vor, zu wenig gegen Terrornetzwerke zu unternehmen. Ende Oktober kam es allerdings schweizweit zu Razzia gegen den Terrorismus. Einer der Festgenommenen war ein verurteilter IS-Rückkehrer. Was sagen Sie dazu?

«Den Vorwurf hatte ich vor einigen Jahren formuliert, auch im Vorfeld der Publikation meines Buches ‚Islamistische Drehscheibe Schweiz‘ das inzwischen in dritter Auflage vorliegt. Seither ist tatsächlich einiges gegangen. Mir scheint, dass genauer hingeschaut wird und, dass das Thema Radikalisierung von jungen Muslimen nun viel ernsthafter angegangen wird. Vielleicht hat mein Buch ja sogar etwas dazu beigetragen.»

Trotz Verurteilung scheint es ausreichende Verdachtsmomente gegen den jungen Mann zu geben, dass er wieder im Geiste des IS aktiv ist. Lachen die Rückkehrer über die Schweizer Gesetze? Sind die Schweizer Gesetze zu harmlos?

«Ja, das tun die Rückkehrer ganz sicher. Auch weil Jihadisten menschengemachte Gesetze verachten. Sie ziehen in den Jihad, weil sie von einer Gesellschaft unter Allah’s Gesetzen träumen. Verglichen mit unseren Nachbarn sind die Strafen in der Schweiz in der Tat fast nicht der Rede wert. Der junge Mann aus Winterthur konnte, als ob nichts geschehen wäre, nach einem Jahr beim IS an sein vorheriges soziales Milieu in Winterthur andocken und wahrscheinlich weitere Jugendliche kontaminieren. Vier Tage nach seiner Rückreise aus Syrien war er auch schon wieder an seiner vorherigen Lehrstelle. Spätestens als er diese jedoch abbrach, hätten alle Alarmglocken läuten sollen. Doch nichts dergleichen ist passiert. Wir müssen über strengere Strafen sprechen dürfen und auch über den Entzug des Schweizer Passes bei Doppelbürgern.»

Saida Keller-Messahli wird wegen ihrer Kritik an der schleichenden Islamisierung in einem Bericht als islamophob bezeichnet.
Bild: Meinrad Schade

Wie schätzen sie die Gefahr durch Jihad-Rückkehrer in der Schweiz ein. Werden sie genügend durch den Staat überwacht? Sind die Ermittler überhaupt in der Lage in das Netzwerk einzusehen?

«Diese Gefahr ist nun durch die Nachricht, dass Erdogan damit begonnen hat, in Nordsyrien eingesammelte IS-Terroristen in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken, leider zusätzlich gestiegen. Ich vertraue darauf, dass unsere zuständigen Instanzen auf dieses angekündigte Manöver – um nicht zu sagen Erpressung – gut vorbereitet sind. Die vom VBS durchgeführten nationalen Übungen der letzten Tage, Montag bis Mittwoch, zeugen davon.»

Saida Keller-Messahli tritt diesen Mittwoch ab 21.09 Uhr in der TV-Sendung «Infrarouge» des Westschweizer Fernsehens RTS auf. Die Talkgäste diskutieren zu den Themen IS-Rückkehrer, Prediger in den Moscheen und Gewalt gegen Frauen.

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