Diesen Sommer gibt es Crime Schweiz auf die Ohren. In einer Kooperation mit Radio Energy sprechen wir in einer fünfteiligen Serie über die schlimmsten und spektakulärsten Fälle der Schweizer Kriminalgeschichte. Im zweiten Teil geht es um den Kristallhöhlenmord im Kanton St. Gallen. Der Fall jährt sich am Sonntag, 31. Juli 2022, zum 40. Mal.
Crime Schweiz on air: Der Kristallhöhlenmord
Das letzte Bild der beiden Mädchen. Eine unbekannte Person hatte auf ihrer Vetotour fotografiert. Foto: PD

Anonymer Hinweistext zum Kristallhöhlenmord (Oberriet SG, 1982)
Betreff: Persönliche Beobachtungen zu zwei möglichen Personen im Umfeld des Kristallhöhlenmords von 1982
Ich schreibe diesen Hinweis anonym, weil ich keine strafrechtliche Anschuldigung mache, sondern lediglich meine damaligen Eindrücke festhalten möchte.
Ich war im Sommer 1982 etwa 21 Jahre alt und lebte in St. Gallen, nicht weit vom Tatort bei Oberriet entfernt. Der Mord an den beiden Mädchen hat mich damals sehr erschüttert – und ich habe ihn bis heute nicht vergessen.
Schon damals fielen mir zwei Männer aus meinem Umfeld auf, die ich seither nie ganz aus dem Kopf bekommen habe. Ich will betonen: Ich kann keine Beweise vorlegen. Es handelt sich um persönliche Beobachtungen, die ich heute, mit zeitlichem Abstand, als auffällig empfinde:
-Beide Männer waren körperlich kräftig, gut im Militär, speziell im Schießen, der ältere wurde vor 1982 Schützenkönig Gonten, ich habs fotografiert.
-Sie tranken vor 1982 gern Alkohol, lebten eher wild, hatten aber keine offensichtliche kriminelle Vorgeschichte.
-Der Jüngere sagte mir mal das er fast ein Unfall machte mit dem Auto weil er den Frauen nachschaute und es in der Hose eng wurde.
-Sie waren mit der Region rund um Oberriet bestens vertraut – sie sind dort oder in der Nähe aufgewachsen.
-Sie verbrachten viel Zeit gemeinsam im Kino, besonders bei Kriegsfilmen. Gewalt und militärische Themen faszinierten sie.
-Im zweiten Halbjahr 1982 – also nach dem Mord – änderte sich ihr Leben plötzlich radikal:
Beide traten aus dem Militärdienst aus und waren darum 3 Monate im Gefängnis der eine Halbtags der andere Ganztags.
Beide schlossen sich den Zeugen Jehovas an und begannen, sehr streng religiös zu leben wovon der Jüngere sich nicht so an die Religiösen Regeln hielt. Sie zogen sich aus ihrem bisherigen Umfeld zurück und wirkten „geläutert“. Heute ist der ältere geschieden aber sehr stark mit Zeugen Jehovas verbunden aber der Jüngere lebt ein normales Leben ohne Religiösen Elemente, zB. dürfen Zeugen Jehovas keine Würste essen wenn es Bestanteile von Blut enthält aber der Jüngere isst sehr gerne Servela.
Dieser plötzliche Wandel – direkt nach dem Mord – ist mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen. Damals dachte ich mir noch: „Irgendetwas stimmt da nicht und hab es kurz mit der Schwester besprochen aber sie bekam Angst und wollte nicht mehr weiter darüber reden“ das ganze war ja auch in allen Medien und brandaktuell da wollte keiner was damit zu tun haben.
Ich weiß, dass der Fall inzwischen verjährt ist, aber ich finde, solche Beobachtungen sollten nicht vergessen werden, falls dieser Fall jemals historisch oder journalistisch wieder aufgerollt wird. Ich hoffe, mein Hinweis wird nicht als Anschuldigung verstanden, sondern als ein kleines Puzzlestück aus jener Zeit – vielleicht ist es bedeutungslos, vielleicht nicht.