«Mühlen der Justiz mahlen langsam und oft fürchterlich»

Im St.Galler Rheintal sind im August 2015 ein Vater und sein Sohn wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch verhaftet worden. Sie bestritten immer den Vorwurf. Erst vier Jahre später wurde das Verfahren gegen die beiden rechtskräftig eingestellt.

Stefan Kopp, seinem Vater Edwin Kopp aus Rüthi SG sowie einem weiteren Beschuldigten waren im August 2015 sexuellen Missbrauch an vier Mädchen angelastet worden. Es sind die Kinder von Stefan Kopps Bruder und dessen Ehefrau. Stefan ist also der Onkel, Edwin der Grossvater der Mädchen. Die drei Männer wurden verhaftet und für 40 Tage in Untersuchungshaft gesteckt. 

Den Stein ins Rollen brachte ein gut 20-seitiges, handschriftliches Schriftstück, das die Mutter der vier angeblich missbrauchten Mädchen im Alter von zweieinhalb, fünf, sieben und acht Jahren anfertigte. Laut den Kopps handelt es sich um ein Hirngespinst, das in keinem Falle die 40 Tage Untersuchungshaft rechtfertigen würde. «Die Staatsanwaltschaft hätte schon nach den ersten drei Sätzen merken müssen, dass das alles von der Mutter ausging», so Stefan Kopp gegenüber «20 Minuten».

Die Glaubwürdigkeitsgutachten, die von den Mädchen erstellt wurden, seien zum Schluss gekommen, dass die vorgeworfenen Übergriffe zu wenig detailliert, teils widersprüchlich und ohne nachgewiesenen Realitätsbezug geschildert worden waren. Auch die medizinischen Gutachten hätten keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch erbracht. «Man hat uns einfach in Handschellen abgeführt, aufgrund einer einzigen Frau mit ihren Aussagen und ohne vorher Abklärungen zu treffen. Das verstehe ich bis heute nicht», so Kopp weiter.

Dies versteht auch Thomas Benz nicht. Der Bestatter aus St.Gallen hat als Kind und Jugendlicher mit seinem älteren Bruder die Schulferien oft bei den Grosseltern in Rüthi im Sankt Galler Rheintal verbracht. Diese bewirtschafteten einen Bauernhof wie die Familie Kopp in Rüthi. Man habe Stefan oder Edwin Kopp oft am Morgen in der «Dorfchäsi» in Rüthi gesehen, wenn sie die Milch abfüllten. Vater und Sohn Kopp waren unauffällige Dorfbewohner und «krampften» Tag und Nacht für ihren grossen Hof mit den vielen Milchkühen. «Das Jahrzehnte später dieser schlimme Skandal in den Medien publik wurde, haute mich und auch meine Mutter, die in Rüthi aufwuchs, aus allen Wolken», so Thomas Benz. Es passte nicht zu dem Bild, das sie über die Familie Kopp hatten. Benz kann nicht verstehen, dass alleine auf die Aussagen der Mutter der vier Mädchen die drei Männer verhaftet wurden. Denn Thomas Benz hatte die Frau schon früher kennen gelernt und musste dabei feststellen, dass sie wahnhafte Aussagen machte.

Mordverdacht ohne erkennbares Indiz

Im Jahre 2018 gelangte die Mutter per Mail an Thomas Benz. Es betraf einen Hinweis zum verjährten Doppelmord an den beiden Mädchen Brigitte Meier und Karin Gattiker bei der Kristallhöhle Kobelwald in Oberriet 1982. Benz hatte über dieses ungeklärte Verbrechen während Jahren recherchiert. Eine Freundin der Mutter schrieb an Benz, dass die Frau einen wahren Hinweis zum Doppelmord geben wolle. Beim darauffolgenden persönlichen Treffen erschrak Benz. Er erkannte die Frau, die schon 2016 erstmals mit Benz telefonisch in Kontakt getreten war und ihm dabei «aufbrummte», dass Edwin Kopp der Mörder der beiden Mädchen wäre. Benz: «Ohne erkennbare Indizien verdächtigte sie ihren Schwiegervater zu Unrecht der Tat. Ich machte es ihr mehrere Male klar, dass sie das nicht machen dürfe und sie mich bitte nicht mehr kontaktieren möge.» Darauf sagte sie, dass sich ihre Anwältin mit ihm in Verbindung setzen werde deswegen, was jedoch nie geschah.

Beim jüngsten Treffen im Jahre 2018 kam die Mutter wieder auf den «Kristallhöhlenmord» zu sprechen. Dabei ging es um die Asservaten-Vernichtung. Denn nach der Verjährung des Falles wurden alle Beweismittel vernichtet, da der Fall für die Behörden abgeschlossen war. Laut Benz hat die Frau gesagt, ihr Schwiegervater hätte das mit Hilfe der St. Galler Staatsanwaltschaft veranlasst. «Er wäre mit allen Wässerchen der Boshaftigkeit gewaschen. Er hätte auch wichtiges DNA-Material zu ihren Kindern mit Hilfe der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vernichtet», sagte sie. Edwin Kopp wäre ein Diener des Satans und wolle sie und ihre Familie mit allen Mitteln zerstören. Mit Hilfe von schwarzer Magie hätte er ihre Kinder missbraucht und auch die Mädchen bei der Kristallhöhle ermordet.

Weiter habe die Mutter gesagte, dass ihr Schwiegervater auf der Alp Brunnenberg in Rüthi (siehe Foto) in den achtziger Jahren mehrere vermisste und ermordete Kinder vergraben habe, wie Edith Trittenbass aus Gass-Wetzikon TG und Peter Roth aus Mogelsberg SG. Er hätte auch diese Kinder auf dem Gewissen. Sie sagte weiter, das ihr Schwiegervater in dieser Zeit immer wieder andere Autos gefahren habe und die Wagen bei einem Autoabbruch in der Gegend verschrotten liess. «Edwin Kopp hätte morsches, verfaultes Holz in die gebrauchten Autos gefüllt, um die Spuren der Taten zu verwischen», erinnerte sich Benz. «Ich sagte ihr am Schluss, dass ich nie mehr sie sehen möchte und sie mich in Ruhe lassen soll», beendete Benz das Gespräch. Er kann nicht verstehen, dass die Staatsanwaltschaft kein psychiatrisches Gutachten über die Mutter ausstellen liess, bevor man die drei Männer für 40 Tage in Untersuchungshaft steckte. Benz: «Für mich persönlich ist es ein grosses Versagen der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. Das Leid an Stefan und Edwin Kopp wird für immer bleiben.»

Ein möglicher Grund für die Fehde könnte laut dem «St. Galler Tagblatt» die Zuteilung des elterlichen Bauernhofes an Stefan Kopp sein. Weil der andere Sohn und dessen Familie leer ausging, habe es böses Blut gegeben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s