Telefonbetrüger überfluten mit ihren Anrufen derzeit wieder weite Teile der Schweiz. Ihr Ziel: Die Menschen am anderen Ende der Leitung, um so viel Geld wie möglich zu bringen. Die in Clan-Strukturen organisierten Kriminellen gehen dabei immer gerissener vor.

Vergangene Woche flog ein kleines Netzwerk im Kanton Zürich auf. So konnte in Dielsdorf ein 34-jähriger Mann aus dem Libanon verhaftet werden. Wie die Kantonspolizei Zürich mitteilt, hatten er und ein weiterer Komplize einem 77-jährigen Mann da bereits 12’000 Franken abgezockt.

Doch der Reihe nach: Eine Woche zuvor klingelte beim späteren Opfer das Telefon. Der Mann nahm den Hörer ab und fand sich in einem Gespräch mit einem angeblichen Sicherheitsangestellten einer Bank wieder. «Wir ermitteln wegen Falschgeld», gibt er dem Rentner an. Und: «Aus Sicherheitsgründen sollten sie einen grösseren Geldbetrag abheben, welches wir dann überprüfen und wieder auf ihr Konto einzahlen.» Der 77-Jährige willigte ein, hob 12’000 Franken ab und händigte das Geld schliesslich einem Kurier aus. So, wie es ihm der vermeintliche Mann von der Bank am Telefon erklärt hatte.

Täter wurden gierig

Fall erledigt? Nicht ganz. Ab hier machen die Telefonbetrüger einen entscheidenden Fehler: Sie werden gierig. Tatsächlich rufen sie den Rentner gleich am nächsten Tag erneut an. Und fordern ihn auf, noch einmal 17’000 Franken von seinem Konto abzuheben. Der Mann wird misstrauisch und meldet sich bei der Polizei. «Als der Kurier am Nachmittag bei ihm vorbeikam, um das Geld abzuholen, wurde er verhaftet», teilt die Kantonspolizei Zürich mit. «Beim Festgenommenen handelt es sich um einen 65-jährigen Schweizer.»

Umfangreiche Ermittlungen führten auf die Spur des 34-jährigen Mann aus Libanon, der dann eine Woche später in Dielsdorf verhaftet werden konnte. Sowohl er und sein Komplize geben an: Sie hätten über eine Online-Plattform ein Jobangebot als Kurier angenommen.

Hintermänner sitzen im Ausland

Die Masche zählt zum Phänomen des Enkeltrick-Betrugs und dahinter steckt die organisierte Kriminalität. Also Banden oder Clans mit mafiösen Strukturen. Die Hintermänner – die Chefs der Banden – sitzen im Ausland und sind für die Polizei kaum zu fassen. Für das Abholen des Geldes werben die Clans «Personal» vor Ort an. Und das machen sie neuerdings mit Jobangeboten auf Online-Plattformen.

So warnt die Kantonspolizei Zürich: «Betrüger kontaktieren potenzielle Opfer via Messenger-Dienste wie WhatsApp, Facebook-Messenger, Telegram und andere soziale Netzwerke und versprechen gut bezahlte Stellen.»

Wer einen solchen Job annimmt und dabei erwischt wird, ist nicht geschützt. Im Gegenteil: Betrug wird in der Schweiz gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Gegen die beiden Verhafteten wird ein Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Das rät die Polizei
  • Sie sind misstrauisch bei unerwarteten Telefonanrufen
  • Die Polizei verlangt nie Geld am Telefon
  • Sprechen Sie mit Unbekannten nicht über Vertrauliches
  • Übergeben Sie niemals Geld/Wertgegenstände an unbekannte Personen