Es ist eines der schlimmsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte: 1998 werden im Tea Room Safari in Bern vier Menschen erschossen. Von mindestens drei Tätern fehlt bis heute jede Spur. Drei Jahre vor Ablauf der Verjährungsfrist sind für Hinweise, die zu ihrer Verhaftung führen, noch immer eine Belohnung von 20’000 Franken ausgeschrieben.
Es passiert am Abend des 27. Juli 1998, kurz vor 23 Uhr. Es ist die Nacht vor der Wiedereröffnung des Tea Rooms Safari an der Belpstrasse 11 in Bern. Im Lokal befinden sich zu diesem Zeitpunkt vier Männer: Wirt Garip Kirmizikaya († 41), Koch Haydar Kabacelik († 39), Kellner Hasan Dogan († 37), alle Türken, sowie der Schweizer Roland Widmer († 46), Besitzer eines Spielautomaten-Geschäfts.
Dann geht alles ganz schnell. Maskierte Männer betreten das Safari. Sie sind mit einer Kalaschnikow AK 47 und drei Pistolen bewaffnet. Ihr Ziel ist Wirt Garip Kirmizikaya – hier sind sich die zuständigen Ermittlungs- und Untersuchungsbehörden später einig. Was dann aber zur Eskalation führt, ist bis heute unklar. Sicher ist: Viele Schüsse fallen und zurück bleibt ein Blutbad. Die vier Männer im Lokal sind tot. Sie sterben im Kugelhagel. Nachbarn sehen noch, wie vier weitere Männer aus einem eingeschlagenen Fenster fliehen.

27 Jahre nach der Tat liegt vieles rund um die «Safari-Morde» im Dunkeln. Zwar gab es eine Verhaftung, ein Urteil und viele Spekulationen – doch die zuständigen Schweizer Behörden konnten den Fall nie abschliessend aufklären.
Besitzer der Tatwaffe setzt sich ab
Dabei war schnell klar, wem die Tatwaffe, die AK 47, gehört. Doch der türkische Staatsbürger Mustafa K. der in Basel lebt, ist verschwunden. Seine Frau und die Kinder hat er zurückgelassen. Im November 2008, zehn Jahre nach der Tat, schreibt der zuständige Berner Untersuchungsrichter den Mann international zur Verhaftung aus. Es wird vermutet, Mustafa K. habe sich in die Türkei abgesetzt hat. 2011stellt die Berner Staatsanwaltschaft den Antrag, die Türkei solle ihn verhaften. «Die einzige Person, der die Tatbeteiligung bewiesen werden kann, ist Mustafa K.», heisst es von den Berner Ermittlern, identifiziert werden noch vier mögliche Mittäter.

Am 28. November 2012 wird K. schliesslich geschnappt. Doch der Mann streitet alles ab. Auch als ihm 2014 in Istanbul der Prozess gemacht wird. Der «Bund» zitierte damals aus der Anklageschrift: «Die Safari-Bar kenne ich nicht und war auch nie dort», sagte der Beschuldigte bei einer ersten Anhörung vor Gericht. «Wie mein Blut in dieses Restaurant kam, weiss ich nicht.»
Löste eine Ohrfeige den Mordanschlag aus?
Mustafa K., dem eine Verbindung zur in der Türkei verbotenen kommunistischen Partei TKP-ML nachgesagt wird, schweigt beharrlich. Dennoch sieht das Strafgericht in Istanbul seine Schuld als erwiesen. Er wird wegen vierfachen Mordes zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Der zuständige Berner Staatsanwalt, Stephan Neuhaus sagte damals gegenüber Medien: «Ich weiss nicht, weshalb er so beharrlich schweigt. Nach diesem Urteil hat er eigentlich nichts mehr zu verlieren.» So aber fehlen den Untersuchungsbehörden die weiteren nötigen Beweise, um die möglichen Mittäter anzuklagen.
Ich weiss nicht, weshalb er so beharrlich schweigt. Nach diesem Urteil hat er eigentlich nichts zu verlieren.
Stephan Neuhaus, Staatsanwalt
Im Prozess können aber wichtige Fragen zum Motiv geklärt werden. Hier rückt eine Version deutlich in den Vordergrund. So soll ein Streit zwischen dem Safari-Wirt Garip Kirmizikaya und einer Putzfrau der Auslöser gewesen sein. Zu diesem kam es ein paar Tage vor dem Blutbad, dabei habe der Wirt die Frau derart stark geohrfeigt, dass sie danach mit einem Arztzeugnis krankgeschrieben werden musste. Gesichert scheint: Es ging um die Vergütung. In der ersten Version wollte der Wirt den abgemachten Betrag nicht bezahlen, in einer zweiten forderte die Putzfrau mehr Geld als vereinbart. Vermutet wird, dass die Frau sich nach der Ohrfeige an Mustafa K. wandte. Sollte dieser das Geld eintreiben, den Wirt einschüchtern oder ihn sogar entführen?
Sicher ist: Wirt Garip Kirmizikaya wehrte sich als die Männer in sein Lokal eindrangen. Er war im Besitz einer Pistole und er habe diese während der Schiesserei auch eingesetzt, wie sein Bruder Fikri Kirmizikaya im Rahmen des Prozesses sagt. «Mein Bruder hat die Gewalt nicht gescheut.»
DNA-Spuren am Tatort
Mustafa K. konnte aufgrund der Spurensicherung überführt werden. Seine DNA wird an einem Fenster im Safari und an der Kalaschnikow sichergestellt. Bei der Entsorgung der Tatwaffe machen die Täter einen entscheidenden Fehler, sie sind unsorgfältig. Nur einen Tag nach der Tat entdeckt ein Maler in einem Gebüsch bei Schlosswil eine Tasche. Sie enthält Kleidungsstücke, drei Pistolen und eben die Kalaschnikow.

Nach dem Urteil geht Mustafa K. in Berufung, er beteuert weiter seine Unschuld. Er zieht den Fall bis zur letzten Instanz weiter. Ohne Erfolg. Am 6. Mai 2019 wird das Urteil schliesslich rechtskräftig.
Wer sind die Mittäter?
Die Berner Untersuchungsbehörden haben den Cold Case bis heute nicht zu den Akten gelegt. Sie überprüfen den Fall sporadisch und gehen Hinweisen nach. Wer hier den entscheiden Tipp liefert, hätte Anrecht auf die ausgeschriebene Belohnung. Eine Hoffnung allerdings wird sich für die Staatsanwaltschaft nicht mehr erfüllen. Die Hoffnung, dass Mustafa K. sein Schweigen bricht.
Nach mehreren Jahren im Gefängnis kam er zwischenzeitlich bereits wieder auf freien Fuss. Und sorgte mit einer brutalen Tat erneut für Schlagzeilen: Nach einem Familienstreit sprengte er 2022 ein dreistöckiges Haus in Istanbul in die Luft. Am Tatort fand die Polizei drei Leichen. Bei einer handelte es sich um die Überreste von Mustafa K.

Es ist einfach nur unfassbar das in der Schweiz ein Mord nach 30 Jahren verjährt !!!!
Der Mord in Seewen ist auch noch ungeklärt. Ist wohl 35 Jahre her.
Mord verjährt in der Schweiz.
Aber WEHE(!) ,wenn man die Steuern nicht (pünktlich) bezahlt…😳😱