Prozess in Dietikon ZH: War der flotte Dreier eine Vergewaltigung?

Zwei junge Männer sind der Vergewaltigung einer 17-jährigen Stiftin angeklagt. Vor Gericht sprachen die Beschuldigten von einvernehmlichem Sex.

Liest man nur die Anklageschrift, dann ist der Fall klar: Zwei damals 18- und 19-jährige Schweizer mit Wurzeln in Kosovo haben vor rund drei Jahren in einem Partyraum im Keller eines Mehrfamilienhauses im Limmattal ein 17-jähriges Mädchen sexuell genötigt und vergewaltigt. Die beiden Lehrlinge hatten den Geschlechtsverkehr zu dritt gegen den Willen der jungen Frau vollzogen – einen «flotten Dreier», wie es am Dienstag am Bezirksgericht Dietikon hiess, wo der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

Doch je länger die beiden Anwälte der Beschuldigten argumentierten, desto mehr Zweifel an dieser Version kamen auf. Das Gericht fällte denn auch noch kein Urteil, sondern wird einen Handyfilm und einen Chatverlauf nochmals genau analysieren.

Der Vorfall hatte sich bereits am 11. Oktober 2016 abgespielt. Die junge Frau war mit dem 18-Jährigen lose befreundet – «Freundschaft plus», wie der Beschuldigte am Prozess sagte. Sie wusste, dass der Freund noch einen ihr nicht bekannten Kollegen mitnehmen würde.

Das Trio wollte im Partyraum Shisha rauchen und einen Film sehen, wobei die beiden Männer schon vorher von einem «Dreier» gesprochen hatten. Bald kam es im Partyraum zu Sex zwischen der Frau und den Männern – ob einvernehmlich oder unter Druck, darüber entscheidet das Gericht in knapp zwei Wochen.

Anklage fordert 50 Monate

Bei der Befragung durch den Richter sagte der Ex-Freund der jungen Frau, dass er mit ihr darüber gesprochen habe, dass ein Dreier cool wäre. Sie habe anfänglich nicht gewollt, aus Angst, dass es in ihrem Umfeld jemand erfahren könnte. Er habe ihr aber versprochen, niemandem davon zu erzählen. Auch für seinen 19-jährigen Kollegenwar die Reaktion der Frau nicht ein klares «Nein, Nein» gewesen, sie habe immer mitgemacht, sagte er.

Der Staatsanwalt verlangte für die beiden Männer eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Er bezog sich dabei auf den «frauenverachtenden Chatverlauf», mit dem der 18-Jährige bei einem aussenstehenden Kollegen geprahlt hatte: «Am Anfang hat sie dumm getan», chattete er und ergänzte, dass sie gesagt habe, sie könne das nicht mit den beiden. Das Opfer sei nie von einem Dreier ausgegangen und habe das auch nicht gewollt, sagte der Staatsanwalt. Die Frau habe auch Unterblutungen an Gesäss und Brüsten gehabt, was auf Gewalt hindeute.

Die Rechtsvertreterin der jungen Frau sagte, ihre Mandantin habe dieses Jahr einen Suizidversuch verübt, der im Kontext mit der Tat gestanden habe. Sie war in einer Klinik und musste sich medikamentös behandeln lassen. Die Beschuldigten hätten weder Reue noch Einsicht gezeigt.

«Aus Liebe mitgemacht»

Die beiden Verteidiger der Beschuldigten verlangten einen Freispruch, auf eine Entschädigung für die dreitägige Untersuchungshaft verzichteten sie. So habe die junge Frau schon auf der Autofahrt zum Partyraum dem ihr bis dahin unbekannten Kollegen ihres Freundes freizügige Fotos von sich gezeigt.

Der Anwalt des 19-jährigen Kollegen nannte dessen Verhalten ein machoides Pornogehabe, sein Mandant sei sicher nicht feinfühlig vorgegangen. Eine Vergewaltigung sei es aber nie gewesen. Die Frau hätte den Raum jederzeit verlassen können, er sei nicht abgeschlossen gewesen.

Die Verteidigerin des Ex-Freundes sprach von einem perfiden Komplott des angeblichen Opfers: «Sie war verliebt und wollte ihn zurückholen.» Die Beziehung war aber einseitig, er empfand das Mädchen als zu aufdringlich. Auf dem Video, das ihr Mandant in dieser Nacht beim Sex gedreht habe, sei nichts von Gewalt zu sehen. So habe die junge Frau den Kopf ihres angeblichen Peinigers zwischen ihren Brüsten gestreichelt, was nicht auf eine Vergewaltigung hindeute. Für die beiden Verteidiger hat die junge Frau Angst gehabt, dass vom «Dreier» etwas an die Öffentlichkeit gelange, und nicht vor den Männern. Sie vermuten, dass die Frau die Strafanzeige auf Drängen ihres Vaters beider Polizei eingereicht habe.

Im Schlusswort sagte der Ex-Freund, er sei in diesen Sommerferien in seinem Heimatort in Kosovo gewesen. Dort habe er in einer Bar die junge Frau gesehen, welche offensichtlich den Kontakt mit ihm gesucht habe. Er habe die Bar sofort wieder verlassen.

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